Sao Tome and Principe
Land und Leute
Der Inselstaat São Tomé und Principe liegt im Golf von Guinea etwa ^300 km vor der Küste Afrikas, westlich vor Aequatoiralguinea und Gabon.
Über 95 % der Einwohner leben auf der südlichen, grösseren Insel São Tomé (860 km2), mit der gleichnamigen Hauptstadt, die 49 km lang und 32 km breit ist. Sie ist die gebirgigere der beiden Inseln. Die höchste Erhebung ist der Pico São Tomé  mit 2.024 m über Merr.
Die nördlichere, kleinere Insel Principe ist etwa 16 km lang und 6 km breit und misst 141 km2. Die höchste Erhebung der Insel ist der Pico de Príncipe und  misst 927 Meter über Meer.

Beide Inseln sind Teil einer  durch vulkanische  Aktivitäten entstandenen Gebirgskette, jedoch sind die Vulkane jetzt erloschen. Die südliche Spitze São Tomés reicht an den Äquator (Isola das Rolas).

Die demokratischen Republik São Tomé und Príncipe war während fast 500 Jahren eine Portugiesische Kolonie und wurde am 12. Juli 1975 in die Unabhängigkeit entlassen. Portugiesisch ist die Amtssprache daneben gibt es noch verschiedene kreolische Sprachen der verschiedenen Einwanderer aus dem Kontinent (Bantu) und vor allem aus Cabo Verde (caboverdianisches Creolo). Die Hauptinsel São Tomé hat ca. 160'000 Einwohner, Príncipe deren 7'000. Die Bevölkerungsexplosion ist eines der grössten  Ursachen für die Armut, 50 % der Bevölkerung ist unter 15jährig. Bei der Unabhängigkeit von Portugal 1975 hatten die Inseln noch 75'000 Bewohner.



Sao Tome and Principe
Klima
Tropisches Klima mit viel Regen, hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Die Trockenzeit dauert von Mai bis September ist von Anfang Juni bis Ende September (Gravana). Die Temperatur ist immer um 26-28 0 C und vom Meer weht immer eine leichte Brise.



Kolonialzeit
Als Entdecker der Inseln gilt der portugiesische Seefahrer João de Santarém. Er hatte die Expedition  im Auftrag eines Kaufmanns, welcher vom portugiesischen König Alfons V durchgeführt,  welcher das Recht erworben hatte, jährlich 100 Leguas afrikanischer Küste im Namen der portugiesischer Krone auf eigene Kosten, zu erkunden. Am 21. Dezember  1471 (am Tag des Heiligen Thomas, daher der Name)  entdecker er São Tomé, am 17. Januar 1472  Santo António, das 1502 in Principe (im Namen des Kronprinzen) umbenannt wurde.

1485 erfolgte die Gründung der ersten portugiesischen Niederlassung. Ob die Inseln bei der Entdeckung schon bewohnt waren ist umstritten. Eventuell haben sich schon Schiffbrüchige aus Angola dort aufgehalten. Einerseits dienten die Inseln als Umschlagplatz für den Sklavenhandel zwischen Afrika, Portugal, Brasilien und den karibischen Inseln, anderseits siedelte Portugal von Inquisition ausgewiesene portugiesische Juden und Strafgefangene aus der Heimat und den übrigen Kolonien an. 1572 wurde São Tomé und im Folgejahr auch Principe direkt der portugiesischen Krone unterstellt.



Die Sklaverei als wirtschaftliches Standbein der Kolonialen Macht
Vom Afrikanischen Kontinent (Angola, Kamerun, Ghana und Zentralafrika) wurden Sklaven als Arbeiter. Sie wurden in engen, primitiven Unterkünften (sogenannte Zanzalas) untergebracht. Hier wohnten ganze Familien mit zahlreichen Kinder auf engstem Raum. Die Nahrungsmittel wurden vom Gutsherrn geliefert. Es gab Kinderhorte, damit möglichst alle Erwachsenen und Halbwüchsige auf dem Feld gehen konnten. Als um 1850 in England und Frankreich Bewegungen entstanden, die gegen die Sklaverei auf der Welt in den Kampf zogen, beendeten auch die Portugiesen (als letzte Kolonialmacht) dieses menschliche Unrecht. Wie in anderen Ländern ist dies aber nur de jure vollzogen worden, denn noch heute gibt es in zahlreichen Drittwelt-Länder Betriebe, die Ihren Arbeitern so wenig bezahlen, dass sie sich bei ihren Arbeitgebern auf Jahre hinaus verschulden um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, dass sie de facto doch auf Tod und Verderben an diesen gebunden sind.

Am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts waren Arbeitskräfte in São Tomé und Príncipe „Mangelware“, weshalb von den anderen Kolonien, insbesondere aus Cabo Verde, wo die Dürre zu Hungersnot geführt hatte, Menschen als Vertragsarbeiter angeheuert wurden, die wiederum für wenig Geld arbeiteten und nicht mehr zurückkonnten, weil sie einfach kein Geld dafür hatten. Viele sind dann in São Tomé mit Heimweh gestorben, ohne ihre Heimat je wieder gesehen zu haben. Von diesem Heimweh handelt dann auch der Text in vielen Volksliedern in Cabo Verde und auch ihrer Emigranten, die die Sehnsucht nach Ihrem Land und ihren Lieben besingen (unter anderem auch „Saudade, Saudade“ von Cesaria Evora).   

Über die Jahrhunderte bildete sich eine  Plantagenwirtschaft mit wechselnden Monokulturen aus, zunächst im 16. bis 18. Jahrhundert Zuckerrohr, dann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Kaffee und schliesslich seit  etwa 1850 Kakao, Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Inseln sogar der grösste Kakaoproduzent der Welt. Dieses sehr fruchtbare Land und die damaligen hohen Preise für Kakao und Kaffee brachten den Kolonialherren sehr grosse Gewinne, die sie meistens von den Kolonien abzogen um sie daheim in Europa zu investieren, wo viele Paläste Zeugen dieser afrikanischen Prosperität sind.
São Tomé konkurrenzierte die anderen afrikanischen Kolonien (vor allem England) sehr auf dem Kakaomarkt, weshalb international immer wieder über die Arbeitsverhältnisse (de facto Sklaverei der Portugiesen) polemisiert wurde, weil natürlich der Kakao von guter Qualität auf São Tomé billiger produziert werden konnte wie in Kontinentalafrika.



Koloniale Wirtschaft und Organisation
Die beiden Inseln waren fast vollständig (mit Ausnahme der Hauptstädte) in einzelne Plantagen aufgeteilt, wo der weisse Gutsherr praktisch unumschränkte Macht hatte. Die einzelnen Betriebe waren voneinander völlig unabhängig und verfügten über eine eigene Infrastruktur (Spitäler, Stallungen, Nutztiere, Landwirtschaftliche Maschinen). De facto waren sie auch Richter über Recht und Unrecht bei Streitereien unter den Arbeitern. Bei schwerer Krankheit konnten die Arbeiter sich unentgeltlich im Spital behandeln lassen, sie waren aber völlig von ihrem Arbeitgeber abhängig und durften das Land der Plantage nicht ohne Bewilligung verlassen etwa um Verwandte in einer anderen Plantage zu besuchen. Ihnen war höchsten zwei Jahre Schulbesuch erlaubt. Nur in Ausnahmefällen durften sie bis zur vierten Klasse weiter in die Schule.

Das hohe und mittlere Kader wurden in der Regel durch weisse Europäer gestellt. Nur wenige Schwarze avancierten bis zum Vorarbeiter mit vermehrten Kompetenzen. Die Einheimischen konnten so nie lernen, wirklich für etwas die Verantwortung zu tragen. Es war ja nur ihre Arbeitskraft verlangt. Als nach der Nelkenrevolution in Portugal klar wurde, dass die neue portugiesische Regierung in Lisabon die Kolonialherrschaft nicht mehr weiter ausüben wollte, verliessen sehr viele der Kolonialherren überstützt das Land. Sie hinterliessen keine funktionierende öffentliche Verwaltung, die Kaffeeplantagen hatten über Nacht kein Kader, welches die Betriebe hätten kompetent weiterführen können. Entsprechend schnell war der Zerfall dann nachdem nur noch Technokraten aus dem Ostblock das Sagen im Lande hatten.



Die Postkoloniale Zeit
Mit der Gründung verschiedener Befreiungsbewegungen ausserhalb des Landes begann das Ende der Kolonialzeit. 1950 gründeten Studenten in Libreville (Gabon) eine Befreiungsbewegung. Im Gegensatz zu den anderen portugiesischen Kolonien wie Angola. Mosambik und Guinea Bissau  1974, nach der Nelkenrevolution in Portugal wurde die Befreiungsbewegung als legitime Vertretung anerkannt. Nach der Erklärung der Unabhängigkeit 1975 wurde dann diese Befreiungsbewegung (MLSTP) zur Einheitspartei des Landes erklärt, als diese wie die anderen Ex-Kolonien sich den Ostblockländern anschlossen (sogenannte „blockfreien“ sozialistischen Länder). Manuel Pinto da Costa war der Präsident der MLSTP und regierte dann sein Land bis 1990, als die Unterstützung durch die Sowjetunion durch die dortigen Veränderungen, wegfiel. Danach kam 1991 Miguel Trovoada, auch ein Kämpfer der Ersten Stunde für die Unabhängigkeit ans Ruder bis er dann 2001 vom jetzigen Staatspräsidenten Fradique de Menezes (wegen Amtszeitbeschränkung) ersetzt wurde. Der jetzige Präsident ist im Juni an der Urne demokratisch für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren bestätigt worden. Erst bei den letzten Wahlen im Sommer 2006 erlitt die einst mächtige MLSTP massive Verluste und ist jetzt zu einer fast bedeutungslosen Partei zusammengeschmolzen.

Für die Autonome Region von Príncipe ist im August Tozé Casandra gewählt worden, ein brillanter,  intelligenter Mann, der hoffentlich mit einem neuen Team von vier Staatssekretären (Minister) die nötigen Verbesserung dieser armen Insel bringt.

Die Politik zeichnet sich durch eine Instabilität aus, weil im Parlament keine der Parteien eine wirkliche Mehrheit hat und so kommt es durch Umstellen von Koalitionen mit kleinen Parteien immer wieder zu Kabinettsumbildungen, was natürlich eine Konstanz der Regierungsarbeit und der Entwicklungshelfer erschwert. Aber immerhin spielt sich das ganze in einigermassen demokratischen Rahmen ab, wenn auch die einzelnen  Parteien weniger durch Ideologie unterscheiden, sondern vielmehr durch die Persönlichkeiten, die sie unterstützen, unterscheiden. So könnte man die Parteien fast auch „Seilschaft des......“ nennen. Es gab einzelne untauglich „Staatsstreichversuche“, die besser als Palastrevolutionen bezeichnet werden müssten. Die letzte fand am 16. Juli 2003 statt, als einige unzufriedene Berufsmilitärs ihre Interesse durchzusetzen versuchten.In den letzten Jahren hat man nördlich der Insel Príncipe riesige Vorkommen von Erdöl gefunden, welche sowohl von Nigeria als auch von São Tomé und Príncipe beansprucht werden. Ein internationales Gericht hat diese Erdölfelder teils Nigeria, teils São Tomé zugesprochen. Mehrere Felder werden zur gemeinsamen Bewirtschaftung freigegeben. São Tomé muss allerdings in den ersten sieben Jahren der Erdöl-Förderung die Einnahmen für die Lieferung der Infrastruktur abliefern, welche ihnen von den Amerikanern zu den von ihnen festgesetzten Preisen liefert. Auf verschlungenen Umwegen sind die Ölfördergesellschaften auch in die Hände der Amerikaner gelangt, so dass der Ausgang des Spiels klar sein dürfte! Es bleibt zu hoffen, dass die Chinesen, die sich jetzt auch zum Spiele melden, zum gerechten Ausgleich führen.



Sao Tome and Principe
Wirtschaft
Das Land produziert heute noch einen Bruchteil der Menge an Kakao. Die Kaffeeproduktion ist fast bedeutungslos. Es wird versucht, das Land für Touristen attraktiv zu machen. Die schlechte Infrastruktur (Strassen, Flugverbindungen, Gebäude) tragen nicht viel dazu bei, dass sich Touristen in Massen einfinden. Die Fischerei ist auch nur schwach entwickelt. So ist das Land hoffnungslos überschuldet und fast vollständig von Entwicklungshilfe abhängig. Die Funktionäre des Staatsapparates sind schlecht entlöhnt und man hört immer wieder von Korruptionsverdacht. Die Importe stammen meist aus Portugal und Frankreich (Erdöl aus Angola), exportiert wird wenig nach den Niederlanden 
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Die kleine Schwester Insel Príncipe
Die Autonome Region von Principe ist fünfmal kleiner wie die Insel São Tomé und hat nur 7000 Einwohner, Santo Antonio ist deren „Hauptstadt“. Die beiden Inseln sind gut 400 km voneinander entfernt. Die Bewohner Príncipes beklagen sich, dass sie von der Hauptstadt als deren kleine Tochter stiefmütterlich behandelt wird, wohin kaum etwas von der Entwicklungshilfe gelangt, die die Republik von überallher erhält. Die landwirtschaftliche Produktion ist gering und die Arbeitslosigkeit ein allerorts sichtbares Übel.  Das führt immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen der Regional-Regierung und der Hauptstadt. Jetzt (2006) wurde ein neues Autonomie-Statut erarbeitet, dass der Zwerginsel weitere Kompetenzen und Selbständigkeiten einräumt.

In der tat ist Príncipe noch ärmer als das Mutterland v.a. das Schulwesen ist sehr schlecht, die Analphabetenquoten  sind besonders hoch und viele Kinder gehen gar nicht oder nur zwei bis drei Jahre zur Schule. Wohl hat jede Siedlung (Roça bzw. Kaffeeplantage) eine eigene Dorfschule von der ersten bis zur vierten Klasse. Danach müssten die Schüler zum Teil in täglichen langen Fussmärschen nach Santo Antonio und zurück laufen um höhere Schulklassen zu besuche, was viele nicht tun. Auf den durch Regen aufgeweichten  Naturstrassen ist für den Schulbesuch oft kein Durchkommen.

Die Oberstufe in Santo Antonio ist hoffnungslos überbelegt. Es gibt zu wenige Schulräume, zu wenige Schulbänke und kaum ausgebildete Lehrer. Seit wenigen Jahren sind einige Lehrer der cabo-verdianischen Entwicklungshelfer hier tätig, damit wenigstens einige Schüler bis zum elften Schuljahr  (Maturitätsstufe) gelangen.

Das kleine Provinzspital entbehrt alles einfachsten diagnostischen Hilfsmittel. Das Labor macht höchstens Untersuchungen auf Malaria. Einige Fälle können mit dem Militärflugzeug der Portugiesen in die Hauptstadt evakuiert werden, was natürlich lange nicht immer möglich ist. Voraussehbare Risiko-Schwangere werden im sechsten Schwangerschaftsmonat ins Zentralspital verlegt, wenn aber unter der Geburt Schwierigkeiten auftreten sind Mutter und Kind in grösster Gefahr. Bei einem Unfall mit Verdacht auf Knochenbruch müssen die Patienten den Seeweg auf häufig unruhigem Meer auf sich nehmen um in der Hauptstadt ein Röntgenbild zu machen. Auf Príncipe gäbe es noch sehr viele Möglichkeiten, sinnvolle Projekte zu finden und umzusetzen. Eine Schwierigkeit liegt in den fehlenden Transportmöglichkeiten für Material und Personen, was jedes Unternehmen stark verteuert.

Hier haben wir schon ca. 30 Patienten mit Grauem Star operiert. Letztes Jahr wurde die ganze Bevölkerung über 50 Jahre auf Grünem Star untersucht. Im Herbst 2006 wurde in Praia Inhame ein neues Schulhaus mit vier Schulzimmern eingeweiht und in den kommenden Monaten wird die Infrastruktur des Spitals verbessert.


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